HauptseiteMethoden und TechnikenPsychologische Manipulation

Manipulative Psychotechniken

Wie nahezu jede Sekte wird in der Glaubensgeneration mit vielen Mitteln der psychologischen Manipulation gearbeitet. Dabei wurden altbekannte Konzepte verfeinert und auf die Bedürfnisse der Gemeinschaft zugeschnitten. Dieser Artikel ist der Versuch hinter die Techniken der Gemeinschaft zu blicken und anschließend reale Beispiele für diese Geschehnisse aufzuführen.

Allgemeine Anwendung von manipulativen Psychotechn

Subtilere Formen von Techniken zur Verhaltensänderung werden in der Werbung, Politik, von Regierungen, in Unternehmen, im Schul- und Gesundheitswesen usw. angewandt, um beispielsweise Widerstände gegen Reformprojekte aufzubrechen. In dem in der Organisationsentwicklung angewandten 3-Phasenmodell von Kurt Lewin [1] dient die Phase Unfreezing zum Aufbrechen der alten Strukturen und Verhaltensweisen. Erst durch das "Auftauen" wird ein Zustand hergestellt, in dem Veränderungen möglich sind, die dann in der langen Moving-Phase in die vorgegebene Richtung geführt werden. Die neuen Verhaltensweisen werden in der Phase Freezing abgesichert, um eine Rückkehr in den alten Zustand zu verhindern. Die wichtigste Umerziehungstechnik bei der Auflösung von Widerständen gegen die Übernahme neuer Werte, ist die Bildung einer Gruppe, zu der sich das Individuum zugehörig fühlt. Würde die Zielperson dieses Vorgehen durchschauen, wäre sie wohl kaum bereit, die neuen Werte "freiwillig" bzw. unbewusst zu übernehmen. Bei solchen gruppendynamischen Prozessen besteht immer auch die Gefahr, dass der psychische Stress und der Gruppendruck so groß werden, dass insbesondere Menschen, die sich gegen die Umerziehung wehren, eine Psychose erleiden oder in Ausnahmefällen Suizid begehen können.

Vorwurf der Gehirnwäsche in der Glaubensgeneration

Befremdend klingt der Vorwurf der Gehirnwäsche, er scheint übertrieben und für einen Außenstehenden kaum nachvollziehbar. Zu bedenken ist jedoch, dass Gehirnwäsche oder psychologische Manipulation, wie oben schon genannt, gerade dann am wirkungsvollsten sind, wenn Sie von dem zu Manipulierenden und seiner Umwelt nicht aktiv wahrgenommen werden.

Gehirnwäsche ist ein Konzept zu der genannter psychologischen Manipulation. Ältere psychologische Theorien vermuteten, dass "Gehirnwäschen" Wertevorstellungen und Selbstauffassung einer Person nach bestimmten Zielsetzungen ändern könnten. Dabei wurde angenommen, dass in seltenen Fällen eine Vertrauensbasis zwischen dem Manipulator und der zu manipulierenden Person entstünde, während der weit überwiegende Teil der "Gehirnwäsche-Methoden" darauf beruhe, den psychischen Widerstand mit gewaltsamer Einwirkung zu brechen. Theorien der Gehirnwäsche entstanden im Kontext totalitärer Staaten, werden jedoch bei Sekten alltäglich umgesetzt, da auch hier vergleichbare totalitäre Strukturen vorherrschen.

Konkrete Beispiele für das Brechen des psychischen Widerstands von Kindern und Jugendlichen, sind die Versuche der Gruppierung unter dem Deckmantel eines Ferienlagers "Christliches Jugendcamp" folgende Techniken durchzusetzen:

Körperliche Beeinflussung - Körperlich anspruchsvolle Aktivitäten beginnen schon in den frühen Morgenstunden. Läufe über mehrere Kilometer und lange Spaziergänge unter glühender Sonne.

Schlaf- und Ruhezeiten sind bewusst kurz gehalten.

Der sportlichen Aktivität folgt oft die "Predigt", diese findet in einem abgedunkeltem Raum, ohne natürliches Licht statt. Die Fenster sind verschlossen bzw. unzureichend geöffnet. Der Raum ist dementsprechend düster und stickig. Zu beginn der Predigt wird extrem laute Musik gespielt. Die Stimmung ist ausgelassen. Dies trägt dazu bei, dass der Sauerstoffmangel weiter ansteigt.

Das Verlassen der Räume wird von "Leitern" möglichst verhindert.

Psychologische Beeinflussung - Die Predigt ist auf Jugendliche zugeschnitten. Es wird versucht in die Jugendlichen "einzudringen". Es wird mit dem Gefühl des Heimwehs gespielt. Das Verhältnis zu den Eltern wird thematisiert. Als einzig mögliche Lösung der Konflikte werden der Eintritt und der Verbleib in der Gemeinschaft angepriesen.

Die Predigten dauern im Normalfall 2,5-3 Stunden, zur Mitte der Woche wirkt die Stimmung fast "Meditativ". Einige Jugendliche weinen. Es wird in "fremden Zungen geredet", man soll sich bekehren. Die Musik wird lauter, viele lassen sich von den Leitern auf den Boden legen. Während der Pastor unentwegt in "fremden Zungen" ins Mikrofon brüllt. Es wird geweint, andere Lachen hysterisch.

Beeinflussung durch die Gruppe – Jugendliche die sich nicht bekehren wollen sind von der Gruppe weitestgehend abgespalten. Sie können nicht „dazu gehören“, da sie nicht das selbe erlebt haben wie die anderen. Dazu kommt, dass die Meinung der Nichtbekehrten stets von den anderen untergraben wird. Die Meinung der Gemeinschaft ist die einzig wahre. Eine andere Meinung wird nicht akzeptiert.

Dies betrifft auch die Autorität und die Struktur der Kirche, der sich auch die Familie unterwerfen soll. Gott -> Pastor -> Gläubiger. Es wird propagiert, dass man die Kirche auch dann besuchen soll, wenn dies die Eltern ausdrücklich ablehnen. Denn Sie dürfen sich nicht zwischen Gott und dem Gläubigen stellen.

Ähnliche Techniken werden auch bei Veranstaltungen wie den zahlreichen Gebetsabenden, Gebetsnächten und Bekehrungsfesten eingesetzt. Immer wird die Loslösung von der "ungläubigen Umwelt" propagiert. Die Welt soll sich nun allein innerhalb der Kirche abspielen. Lewins 3-Phasenmodel wird hier fast mustergültig umgesetzt (Unfreezing - Bekehrung, Moving - Gemeinde Leben, Freezing - Übernahme von Verantwortung, Leitung von Hauskreise etc.) Eine Abkehr von den Werten wird als Verrat betrachtet und mit Verbannung aus der Gemeinschaft bestraft. Dies hat für Außenstehende nicht nachvollziehbare Folgen. Denn der Lebensmittelpunkt kann seit Jahren allein die Kirche sein. Verbannung würde Isolation bedeuten. Die selben psychologischen Druckmittel werden auch bei anderen Gruppierungen, etwa den Zeugen Jehovas angewandt [2].

Verweise

[1] Kurt Lewin Kurt Lewin (gilt als einer der einflussreichsten Pioniere der Psychologie, insbesondere der Sozialpsychologie, als Begründer des sozialwissenschaftlichen Theorems der Gruppendynamik sowie als einer der prominentesten Vertreter der Gestaltpsychologie bzw. der Gestalttheorie.

[2] Hans-Otto Wiebus, Lexikon Jugendkulte, Carlsen-Verlag. ISBN: 3-551-85021-6


Druckbare Version

ImpressumVollständige Seitenübersicht